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"Warten auf Regen" im Irak  / 2008

 

Deutschlandradio Kultur


"Warten auf Regen. Angelehnt an "Warten auf Godot" von Beckett.

Und doch ganz anders. Als 2003 die Amerikaner in den Irak einmaschiert sind, hat Ihsan Othmann darüber nachgedacht, wie das wohl werden wird. Welche Erwartungen haben sie voneinander, welche Hoffnungen, und was wird sich davon erfüllen.


Othmann: "Diesen Gedanken habe ich gehabt und habe gesagt, irgendwann muss man auf der Bühne haben. Und die erste Sache ist die Sprache. Ein Amerikaner, der nur englisch spricht, geht zum Iraker, der zu 80 Prozent kein englisch verstehen, nicht nur sprechen auch verstehen nicht."

Timm Lang, Deutschlandradio Kultur


Zwei Iraker und zwei westliche Soldaten haben sich in der Wüste verirrt. Sie warten auf Regen und hoffen auf gegenseitige Hilfe. Die aber bleibt aus. Ein Stück über das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen.


Fünf Schauspieler, fünf Sprachen. Kurdisch, arabisch, englisch, deutsch, persisch. Eine kommunikative Herausforderung, die Othmann gesucht hat."

Tim Lang, Deutschlandradio Kultur


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Potsdamer Neueste Nachrichten




"Der ungewohnte Klanghintergrund ließ auch die Zuschauer in völlig fremde Welten tauchen. Und auch wenn man die deutschen Bedeutungen eingeblendet bekam, zog man es bald vor, sich hauptsächlich auf das Spiel der Protagonisten einzulassen. Denn die jeweiligen Beziehungen hatten es in sich. Die beiden Iraker – der eine Araber, der andere Kurde – können sich kaum miteinander verständigen. Sie finden weder einzeln noch gemeinsam einen Ausweg aus der lebensbedrohlichen Situation. Hoffen, Glauben, Wünschen und immer wieder Streiten statt Analysieren oder endlich Handeln. Das Stück liefert damit eine sehr plastische Beschreibung der inneren Befindlichkeiten des heutigen Irak. Haytham A. Ali und Moufaq Sdqi statten ihre Figuren mit einiger Larmoyanz, ziemlich viel Gutgläubigkeit, aber auch einer gehörigen Portion Witz und männlicher Überheblichkeit aus.

Fast gegensätzlich dazu erscheinen die zwei Frauen. In voller Kampfmontur und mit lautem englischen Kommandoton tritt die amerikanische Kommandantin (Antje Thiele) auf. Sie hat das Sagen – auch hier in der Wüste – und im Schlepptau eine mit Koffern bepackte und des eigenen Willens beraubte, dazu traumatisierte deutsche Söldnerin (Cornelia Werner). Ihr Herr-Knecht-Verhältnis hält im Stück einige sehr absurde Konstellationen bereit. Als die Iraker merken, dass die beiden Frauen verletzlich, hilfebedürftig, aber auch pragmatischer sind als sie selber, hoffen sie, dass diese ihre Probleme lösen können. Doch auch die Frauen suchen ihr Heil in der Flucht. Blind, erschöpft und buchstäblich im Kreis gelaufen treffen sie später wieder bei den irakischen Männern ein."
Astrid Priebs-Tröger, Potsdamer Neueste Nachrichten

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Märkische Allgemeine



"Zwei Männer kommen von der Oberbühne in die „Wüste“ hinunter, augenscheinlich auf der Flucht. Sie sprechen arabisch (Haytam A. Ali) und – in Verzweiflungssituationen – kurdisch (Mouafaq Rushdie), sie sind verwirrt, und sie streiten sich über ein Schiff, das da aus der Wüste herausragt. Sie erkennen in dem Segel und dem Schiffsmast Zeichen der Hoffnung, die sie an Noah aus der Heiligen Schrift erinnern. Sie streiten sich, wie Männer in hoffnungslosen Situationen das so tun, sie entwickeln immer wieder neue Zuversicht, aber bleiben dennoch in ihrer Wüste stecken.

Da kommen zwei Soldatinnen, eine amerikanische Kommandantin (Antje Thiele), die ihre deutsche Söldnerin (Cornelia Wörner) wie Vieh behandelt. Die beiden Männer halten die Frauen zunächst für Männer, was für ein gewisses Durcheinander sorgt. Das Sprachbabel ist komplett, die Situation völlig absurd, als beide Parteien die jeweils andere als mögliche Retter aus der verfahrenen Lage ansehen, aber alle sind gleich hilflos.

Das Aufeinandertreffen der so ungleichen Partner offenbart die paradoxe Situation des Krieges, der die Brutalität von Folterern ebenso heraufbeschwört wie die Orientierungslosigkeit der aus ihrer Heimat Vertriebenen. Beklemmend die Erschöpfung der Kommandantin, die in bodenlose Gemeinheit ihrer Söldnerin gegenüber umschlägt, wenn sie diese vorführt: Sie soll tanzen, und sie tut das wie ein Tanzbär, sie soll „denken“, und heraus kommt ein düsterer und beeindruckender Monolog über die Dunkelheit, den fehlenden Schatten, die 50 Grad Celsius in der Wüste.

Dann sind die beiden Frauen wieder weg, und von der Oberbühne schwingt sich im Donner und Blitz ein Engel herab, der den Männern erneute Hoffnung auf Rettung bringt. Kaval Sdqi, die Persisch spricht, personifiziert die interkulturelle Kooperation, die diese Inszenierung erst gestattete: Sie konnte im Hans Otto-Theater hospitieren.

Das Theaterhaus Mitte in Berlin und sein Trägerverein „Förderband“ ermöglichen seit 2006 die Zusammenarbeit mit Theaterakteuren aus dem Irak. Nur in Nordirak ist zurzeit eine kontinuierliche künstlerische Arbeit möglich, in Bagdad, wo Haytam Ali arbeitet, können Vorstellungen nur per SMS bekannt gemacht werden; erst seit September diesen Jahres werden auch wieder abends Aufführungen realisiert. So ist die Kooperation, deren größtes Projekt „Warten auf Regen“ ist, ein wichtiger Baustein zur Wiederaufbauhilfe der kulturellen Arbeit im Irak.

Die vielen Zuschauer dankten für das außergewöhnliche Theaterereignis mit starkem Applaus."
Hanne Landbeck, Märkische Allgemeine


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theaterkritiken.de




"Allerdings haben sich Herr und Sklave, die bei Beckett (nun die Realität im Absurden) plötzlich als Herr und Sklave aus der Kolonialzeit auftauchen  - Lucky, der Herr und Pozzo, der Knecht -, in der deutsch-irakischen Gemeinschaftsproduktion nun in zwei englisch und deutsch sprechende Soldaten verwandelt, die von von zwei Frauen gespielt werden; der Vorgesetzte, ein US-Leutnant, quält mit letzter, schon erschöpfter Härte, seinen Untergebenen, einen deutschen Söldner, der voll beladen alle möglichen unnötigen Utensilien durch die Wüste schleppt. Doch letztlich sind auch diese beiden nur Reliquien einer verzweifelten, verdurstenden, zum Scheitern verurteilten Zivilisation. Getrieben von einer zwanghaft verinnerlichtern Disziplin, deren Sinnlosigkeit angesichts des permanenten Irrweges durch die Wüste mehr grotesk als tragisch wirkt. Der geprügelte Sergeant, der die Sinnlosigkeit dieser Befehl-Gehorsam-Beziehung und des Soldatentums nicht erbarmungswürdiger zum Ausdruck bringen könnte, schleppt mit Sand gefüllte Koffer. Dass aber so viel Spaß an diesem Spiel vermittelt wird, liegt ganz sicherlich an der nicht minder tiefgehenden, aber doch ausgesprochen flexiblen Auffassung der befreundeten Theaterschulen in Bagdad, wo man die Freude am Theaterspiel, die leichthändige und behände Umgehensweise mit Stücken - über die wir uns hier die Köpfe heiß reden mögen - locker umzugehen versteht.

Es ist leider nur ein einziger Abend, aber der vermag doch erfrischend aufzuzeigen, wie fern uns diese Welt und ihre Menschen zwar sind, aber welche Impulse ihre Sicht- und Lebensweise unserem Kunstverständnis zu geben vermögen."
theaterkritiken.de


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quantara.de


Leonie Kirchner im Gespräch mit Ihsan Ohtmann, Antje Hobucher und Eduardo Fernadez Tenllado, quantara.de



"Begegnung zweier völlig verschiedener Kulturen und die Schwierigkeit des gegenseitigen Verstehens: das Bühnenstück "Warten auf Regen" des irakisch-kurdischen Regisseurs Ihsan Othman   "Es muss weiter gehen!"... Wie zum Nachdruck klopft der Theaterregisseur Ihsan Othman mit seinen Fingerspitzen im Silbenrhythmus auf den Holztisch.

"Man kann nicht immer nur sagen: Wir hatten eine schlimme Vergangenheit. Man kann sich zwar beschweren, aber darin zu verharren, ist keine Lösung. Wenn man ein Problem hat, liegt es an einem selbst, sich aus der Situation Schritt für Schritt zu befreien. Das wollten wir mit unserem Stück zeigen."

"Warten auf Regen" heißt das Stück, von dem Ihsan Othman da spricht. Das "Internationale Offene Theater" führte es im vergangenen Oktober in Potsdam und Berlin sowie im Dezember in Erbil und Dohuk in Irak-Kurdistan auf.

Adaption von "Warten auf Godot"

"Warten auf Regen" ist das vierte Theaterstück, welches das von Ihsan Othman und der Schauspielerin Antje C. Hobucher 2005 in Berlin gegründete "Internationale Offene Theater" inszenierte. Darin werden stets Bezüge zur gegenwärtigen Situation im Irak hergestellt. "Warten auf Regen" ist eine Adaption von Samuel Becketts "Warten auf Godot".

Nach der Aufführung von "Der Tod und das Mädchen" vor einem Jahr, in der man sich noch aufgewühlt mit Fragen nach Vergeltung, Recht und Gerechtigkeit, Schuld und Sühne sowie mit der Bewältigung der Diktatur unter Saddam Hussein auseinandersetze, bot sich die Adaption von "Warten auf Godot" zu einer erweiterten Reflektion an.

"Es ist eine Auseinandersetzung der Iraker mit sich selbst und mit ihrer Situation: Wie kam es dazu und wo stehen wir jetzt?", erläutert Antje Hobucher. Auf einer zweiten Ebene, fasst Mitorganisator Eduardo Fernández-Tenllado zusammen, handelt das Bühnenstück von der Begegnung zweier völlig unterschiedlicher Kulturen, den Schwierigkeiten den anderen zu verstehen, von Annäherung und Abgrenzung, Erwartung und Projektion.

Ganz im Gegensatz zu der Aufführung "Der Tod und das Mädchen", bei der es zu hitzigen Debatten gekommen war, beobachtete Eduardo Fernández-Tenllado nunmehr eine gewisse Gelöstheit bei der Aufführung von "Warten auf Regen".

Modernes Babylon

Das besondere an der Theatervorstellung war, dass es insgesamt vier unterschiedliche Inszenierungen gab: eine englische, eine deutsche, eine kurdische, sowie eine in gleich mehreren Sprachen. Jede Inszenierung wurde von einem anderen Regisseur geleitet, so dass unterschiedliche kulturelle Aspekte in die Aufführungen einflossen.

Zwischen Resignation und Hoffnung: die beiden Protagonisten Arabo und Kaki im Nirgendwo der Wüste Die mehrsprachige Inszenierung wurde von Ihsan Othman geleitet. Darin sprach jeder Schauspieler die Sprache seines Landes, so dass ein "modernes Babylon" aus Kurdisch, Arabisch, Farsi, Amerikanisch und Deutsch entstand. Die Schauspieler vermittelten so nicht nur die Sprachlosigkeit, sondern erlebten sie auch unmittelbar bei sich selbst und verliehen deshalb dem Stück eine besondere Spannung.

Der irakischen Aufführung ging ein einwöchiger Workshop voraus, in dem das Stück der konfliktreichen Situation im Irak angepasst wurde: Den Schauplatz verlegte man in die Wüste. Die ursprünglichen Charaktere "Wladimir" und "Estragon" heißen nunmehr "Arabo" und "Kaki" - kurdisch für "Araber" und "Kurde".

Aus Herrn "Pozzo" und seinem Diener "Lucky" wurden eine amerikanische Offizierin sowie deren deutsche Söldnerin. Und der kleine Junge bei Beckett wird in die Gestalt eines Engels verwandelt, gespielt von einer iranischen Schauspielerin.

Arabo und Kaki, welche gerade erst dem Gefängnis entflohen sind, haben sich in der Wüste verirrt. Bei der Suche nach dem Ausweg treffen die amerikanische Offizierin und deren deutsche Söldnerin auf die Beiden. Die Araber hoffen, dass die Amerikanerin und die Söldnerin den Weg aus der Wüste kennen.

Doch die Hoffnung erfüllt sich nicht. Sie müssen erkennen, dass diese ebenso ratlos sind und umgekehrt hofften, dass die Iraker den Weg kennen würden, da sie sich doch als Einheimische auskennen müssten. So verharren Arabo und Kaki also weiter ratlos an ihrem Platz, während die Soldaten weiter ziellos durch die Wüste irren.

Die Akteure schwanken zwischen Resignation und Hoffnung, wobei sich beides als hemmend erweist. Und letztendlich erstarrt man in diesem Wechselspiel von Warten und Erwartung.

Selbst der Engel als übernatürliche, allmächtige Figur, welcher den Suchenden in der Wüste erscheint, kann ihnen nicht helfen, sondern verkündet ihnen nur regelmäßig das Kommen des Regens bzw. des Retters, ohne dass dieser jemals wirklich erscheint. Das Ende bleibt offen.

Heilender Humor statt reinigender Regen

Das zentrale Thema des Stückes ist das Warten – ob nun auf Godot, Gott oder den Regen. Als Zuschauer wartet man jedoch vielmehr auf die Erkenntnis der Protagonisten, dass es an ihnen selbst liegt, das Schicksal in die Hand zu nehmen und den nächsten Schritt zu gehen, als auf unbestimmte Hilfe von außen zu hoffen.

Überwältigende Medienresonanz: Nicht nur im Irak, sondern auch in Deutschland war das Interesse des Publikums an der Inszenierung groß. "Warten auf Regen" ist die arabische Antwort auf Godot. Ebenso unwahrscheinlich wie das Erscheinen von Godot im Originalstück ist es, dass es in der Wüste regnet. Die Lösung und Loslösung von der Vergangenheit durch den reinigenden Regen bleibt unerfüllt.

Dennoch lässt das Stück einen nicht hoffnungslos zurück. Die Absurdität der Situation und der sich darüber entfaltenden Dialoge verleihen "Warten auf Regen" einen humoristischen Charakter.

Es ist dieser Humor, welcher dem Zuschauer in dieser eigentlich tragischen Situation zu der Distanz verhilft, über welche er sich mit sich selbst auseinandersetzen kann. Der Humor ist für die Schauspielerin Antje C. Hobucher der Reiz an Becketts Stück, denn "er hat eine heilende Wirkung und hilft die Situation zu reflektieren".

Theater als Bühne der Reflektion

Dass Theater im Irak sehr populär ist und dort auch einen Beitrag zur Verarbeitung der noch sehr jungen Geschichte leistet, spiegelt sich nicht nur in den aktuellen Investitionen im Kulturbereich wieder, zumindest in Kurdistan. Theater sei deswegen so bedeutsam, da es auch die Rolle eines Arztes übernehme, da Tausende - wenn nicht sogar Millionen - Ärzte benötigt werden, um das Trauma der Iraker zu behandeln, meint Othman.

Das Theater helfe den Irakern, um ihre Situation besser zu verstehen. Durch Bühnenstücke werde die Vergangenheit besser bewältigt und diskutiert, um den Menschen dann zu ermöglichen, sich wieder dem Leben zuzuwenden und weitergehen zu können. Die Bühne dient als "Behandlungstisch der Gesellschaft".

Bislang stießen die "Warten auf Regen"-Aufführungen überwiegend auf große Resonanz. Theater in Irak und Deutschland waren stets sehr gut besucht und auch die Presse berichtete positiv über das Projekt.

Im Rahmen der Projekte des Internationalen Offenen Theaters mit den Kulturministerien des Iraks und der kurdischen Region, waren bereits mehr als 60 Künstler aus Deutschland und dem Irak an den Aufführungen im In- und Ausland beteiligt. Man sei zwar nur eine kleine Kraft, aber es gehe darum, dass man Initiative ergreife.

Positive Resonanz auch in Deutschland

Regisseur Othman sieht die größte Bestätigung der Theaterprojekte in der anhaltenden Nachfrage: "Ein Zeichen für den Erfolg des Projektes ist, dass es weitergeht, bzw. dass die Nachfrage des Iraks und Deutschlands zunimmt. Zwei Stücke in einem Jahr aufführen zu können, zeugt schon von großem Interesse."

Das Engagement seitens der Iraker sei beeindruckend gewesen. Bei der Erstaufführung von "Warten auf Regen" in Deutschland, war sogar der kurdische Kulturminister anwesend.

Nur an der zügigeren Visa-Vergabe für die irakischen Schauspieler des Ensembles müsse noch gearbeitet werden, sagt Hobucher. Denn die Unsicherheit, ob ein Antrag angenommen werde oder nicht, erschwere die Planung ungemein.

So musste bereits eine Aufführung abgesagt werden, da der Hauptdarsteller kein Visum erhielt. "Aber wir sind insgesamt optimistisch", sagen Hobucher, Tenllado und Othman einstimmig und lachen."
Leonie Kirchner im Gespräch mit Ihsan Ohtmann, Antje Hobucher und Eduardo Fernadez Tenllado, quantara.de



"Der Tod und das Mädchen" im Irak  / 2008 / qantara.de

Von Pinochet zu Saddam Hussein


Ariel Dorfmans Theaterstück "Der Tod und das Mädchen" behandelt die Themen Folter, Schuld und Vergeltung unter Chiles Militärregierung. Jetzt hat ein Berliner Theaterensemble das Stück von 1991 im Irak aufgeführt. Antje C. Hobucher und Eduardo Fernández-Tenllado berichten hier von ihren Erfahrungen. | Bild: Das Theaterstück stellt die Frage nach Schuld und Vergeltung nach der chilenischen Militärdiktatur - aber auch im Irak sind diese Fragen nach dem Sturz Saddam Husseins aktuell. |
Ariel Dorfmanns Theaterstück "Der Tod und das Mädchen" beschäftigt sich zentral mit Verfolgung und Folter während der chilenischen Militärdiktatur sowie der Frage nach Vergeltung und Bewältigung solcher Erlebnisse. Im Stück werden diese anhand der persönlichen Situation des Ehepaares Salas und des Arztes Miranda verhandelt. Die Ehefrau, Paulina Salas, war während der Diktatur entführt und gefoltert worden. Nach ihrer Freilassung findet sie ihren Freund in den Armen einer anderen Frau. Sie heiraten trotzdem. Einige Jahre später: Während Paulina immer noch unter den Erfahrungen ihrer Haft leidet und deshalb ihr Medizinstudium nicht fortsetzen kann, ist aus Ehemann Gerardo ein angesehener Jurist geworden. Nach einem Termin bleibt er wegen einer Reifenpanne auf der Landstraße liegen. Ein Fremder bietet Hilfe an, die beiden kommen miteinander ins Gespräch und Gerardo lädt den Fremden zu sich nach Hause ein.
Kaum angekommen, wird im Radio die Ernennung Gerardos zum Mitglied einer Untersuchungskommission, die der Bewältigung der Vergangenheit dienen und sich mit Todesfällen unter Folter beschäftigen soll, bekannt gegeben.

Diktatur und Schuld

Der Fremde gratuliert. Paulina, Gerardo und der Fremde (Dr. Miranda) stoßen gemeinsam an, dabei erkennt Paulina in Dr. Miranda ihren mutmaßlichen Folterer wieder. Aus einer Einladung zum Übernachten wird dadurch im Handumdrehen eine Geiselnahme. Paulina nimmt Dr. Miranda gefangen und möchte ihm den Prozess machen. Er soll spüren, wie es ist gefoltert und vergewaltigt zu werden. Gerardo ist entsetzt. Und Dr. Miranda bestreitet die Tatbeteiligung.
Die spannungsgeladene Dreierkonstellation der Figuren stellt die Frage nach Schuld und Vergeltung auf eindringliche Weise. Wie sollen sich Täter und Opfer in der Zeit nach einer Diktatur begegnen? Welchen Weg schlagen sie ein: Rache und Selbstjustiz oder ein Gerichtsverfahren nach rechtstaatlichen Grundsätzen? Gibt es in einer Diktatur überhaupt Menschen ohne Schuld?
 Fragen zu denen es oft keine einfachen Antworten gibt. Aber gerade für Menschen aus dem Irak sind diese Fragen von aktueller Bedeutung. Aufbruchstimmung in den Städten Über die Einladung unsere Arbeit im Nordirak zeigen zu dürfen, freuten wir uns sehr. Obwohl wir natürlich auch Bedenken hatten – schließlich sind die Berichte aus dem Irak nicht gerade vertrauenerweckend. Kaum eine Woche in der nicht über Entführungen, Selbstmordanschläge, Bürgerkrieg und weitere Schrecken berichtet wird. Auch unsere Eltern, Verwandte und Freunde waren besorgt. Der Einzige, der uns beruhigte, war Ihsan Othmann, der irakische Regisseur unseres Ensembles.
Aber auch zusätzliche Recherchen vermittelten uns ein ermutigendes Bild: Im Gebiet der nordirakischen Regionalregierung ist die Sicherheitslage erheblich stabiler als in anderen Landesteilen. Tatsächlich glauben konnten wir diese Aussagen allerdings erst einige Tage nach unserer Ankunft in Dohuk. Kaum über der Grenze, wurden wir überaus freundlich empfangen. Die Herzlichkeit, Offenheit und Neugier der Menschen, die uns während unserer gesamten Reise begegneten, berührte uns sehr. Ebenso wie die allgemeine Aufbruchstimmung in den Städten, die wir besuchten.

Austausch über kulturelle Grenzen hinweg

Das Festival – der eigentliche Grund unserer Reise – begann am 29. Juni mit einer Ausstellungseröffnung. Neben den Bildern von über 100 kurdischen Künstlern wurde das Stück in vier verschiedenen Inszenierungen in drei Sprachen ausgeführt: als Performance der österreichischen Künstlerin Ulrike Düregger, als Schauspiel vom Shorashvan-Ensemble Dohuk in kurdischer Sprache, vom Nationaltheater Bagdad in arabischer Sprache und vom I.-O.-Theater Berlin in deutscher Sprache.
Die Vorstellungen der Ensembles fanden an drei hintereinander folgenden Abenden statt und waren einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Nach jeder Vorstellung gab es ein Publikumsgespräch, das immer großen Zuspruch fand. Besonders die Rolle der Paulina Salas und die Interpretation durch die jeweilige Schauspielerin wurden breit und kontrovers diskutiert. Das Echo war so enorm, so dass wir nach Abschluss des Festivals vom Gouverneur der Stadt Sulaimaniyya zu einer Aufführung im dortigen Institut of Fine Arts eingeladen wurden. In diese Region und ihre Menschen haben wir uns verliebt. Der Austausch über kulturelle Grenzen hinweg, kann dringend notwendige Brücken zwischen Ost und West schlagen und bereichert damit das Leben aller Beteiligten. Wir freuen uns deshalb auf weitere Festivals in Berlin und Erbil, im Herbst dieses Jahres.
 Antje C. Hobucher, Eduardo Fernández-Tenllado © Antje C. Hobucher, Eduardo Fernández-Tenllado / Qantara.de 2008

Das I.-O.-Theater Berlin wurde im Juni 2005 von dem irakischen Regisseur Ihsan Othmann und der Schauspielerin Antje C. Hobucher gegründet. Das Ensemble setzt sich aus Künstlern unterschiedlicher Nationen und Kulturen zusammen – der volle Name des Ensembles lautet "Internationales Offenes Theater". Die Aufführungen im Irak kamen durch das Berliner Festival "Iraqi Theatre at Home and Away" zustande, das im März diesen Jahres vom Theaterhaus Mitte, dem Verein "Förderband" und dem I.-O.-Theater bereits zum zweiten mal veranstaltet worden war.

Veröffentlicht: 29.08.2008 - Letzte Änderung: 29.08.2008

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From Pinochet to Saddam Hussein


The themes of torture, guilt and vengeance under Chile's military junta are at the heart of Ariel Dorfman's play "Death and the Maiden". Now a Berlin theatre group has been performing the play, premiered in 1991, in Iraq. Antje C. Hobucher und Eduardo Fernández-Tenllado reflect on the experience. The play investigates the issue of blame and retribution in the wake of the Chilean military dictatorship - a question that has also been relevant and topical in Iraq since the toppling of Saddam Hussein.
Persecution and torture at the time of the military dictatorship in Chile and how one comes to terms with their consequences and with ideas of retribution are the central themes of Ariel Dorfman's play "Death and the Maiden". These issues are explored in the play through the story of Mr and Mrs Salas, and a doctor named Miranda. Paulina Salas, the wife, was herself a victim of kidnapping and torture during the dictatorship. After her release, she had returned home to find her boyfriend in the arms of another woman. Their marriage went ahead nevertheless. Some years later we find Paulina still suffering the trauma of her time in captivity and because of this unable to pursue her medical studies. Husband Gerardo, meanwhile, has become a distinguished lawyer. Returning home from an appointment one day his car gets a flat tyre, leaving him stranded on a country road. A stranger comes to his assistance and the pair get into conversation. Gerardo invites the stranger to come home with him. They arrive just in time to hear a radio announcement about Gerardo's appointment to a commission of enquiry intended to help the country deal with its past and with the cases of death brought about through torture.

Dictatorship and guilt

The stranger congratulates Gerardo. But as he, Paulina and the stranger (Dr. Miranda) celebrate the news together, Paulina recognizes the visitor as the man she believes to have been responsible for her torture. The doctor, from being an overnight guest, now becomes a hostage. Paulina takes him prisoner and wants to put him on trial. He should get to know what it feels like to be tortured and raped. Gerardo is horrified. Dr Miranda denies that he had anything to do with what happened to Paulina. Questions of guilt and retribution become imbued with a fierce, urgent intensity as they are played out compellingly between the three characters. Can the perpetrators of such crimes and their victims continue to live alongside one another after a dictatorship has ended? What alternatives are there? Should victims seek revenge, take the law into their own hands, or should they try to find justice through courts and the legal system? Does anyone remain free of guilt in a dictatorship? There are no easy answers to such questions. But it is exactly these sorts of questions which are currently of such burning importance to the people of Iraq. A sense of optimism We were delighted to be given the opportunity of performing in northern Iraq. We were not without misgivings, of course – reports coming out of the country are not exactly confidence inspiring. Hardly a week goes by without reports of kidnappings, suicide bombings, civil war and other horrors. Our parents, relatives and friends were worried too, of course. The only one who was able to reassure us was Ihsan Othmann, our Iraqi director.

But the more we found out about the actual situation, the more positive it seemed to be. The area under the authority of the northern Iraq regional government was, we were told, considerably more stable than other parts of the country. Nevertheless, it was only after seeing things for ourselves, after spending a few days in Dohuk, that we began to feel reassured. We had barely crossed the border before we discovered the warmth of the local welcome. The heartiness, openness and curiosity of the people we encountered throughout our travels moved us very much. The sense of optimism we found in the towns and cities we visited was also very heartening. Crossing cultural borders The festival – the real reason for our trip – began on June 29th with the opening of an exhibition. Along with the paintings of one hundred Kurdish artists, four different productions of the play were put on in three languages. There was a performance version by the Austrian artist Ulrike Düregger as well as versions by the Shorashvan company from Dohuk, in Kurdish, by the National Theatre group of Baghdad, who did an Arabic version, and ours, the I.O. Theater Berlin, in German.

The performances took place on three successive evenings and were accessible to a wide cross-section of the public. Each performance was followed by public discussion sessions that proved to be tremendously popular. In particular, it was the various interpretations given to the character of Paulina Salas that brought plenty of lively and animated discussion. There was such a tremendous response that, after the festival finished, we were invited to give a performance at the Institute of Fine Arts in Sulaimaniyya by the city governor. We really have come to love this region and its people. The amount of cultural exchange that takes place helps to build much-needed bridges between East and West as well as enriching the lives of everyone involved. So we are really looking forward now to other festivals coming up in Berlin and Erbil (Iraq), in the autumn.
Antje C. Hobucher, Eduardo Fernández-Tenllado © Antje C. Hobucher, Eduardo Fernández-Tenllado / Qantara.de 2008 Translated from the German by Ron Walker I.O. Theater Berlin was set up in June 2005 by the Iraqi director Ihsan Othmann and the actress Antje C. Hobucher. The company brings together artist from many different nations and cultures – its full name is "Internationales Offenes Theater Berlin" (International Open Theater Berlin). The performances in Iraq came about via the Berlin Festival "Iraqi Theatre at Home and Away" which took place for the second time in March this year and was organised by Theaterhaus Mitte, the Berlin "Förderband" cultural association and I.O. Theater.
Published: 01.09.2008 - Last modified: 01.09.2008


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Pinochet'den Saddam Hüseyin'e


Ariel Dorfman'ın tiyatro oyunu "Ölüm ve Genç Kız", Şili'nin askeri rejimi altında işkence, suç ve intikam konularını ele alıyor. Berlinli bir tiyatro grubu, 1991 tarihli bu oyunu Irak’ta sahneledi. Antje C. Hobucher ve Eduardo Fernández-Tenllado deneyimlerinden söz ediyor.
Ariel Dorfmann’ın oyunu "Ölüm ve Genç Kız" ana konu olarak Şili’deki askeri dikta döneminde yapılan takibat ve işkenceleri seçerken, bir yandan da intikam ve bu gibi deneyimlerle baş etme sorularını ele alıyor. Oyunda bu konular Salas çifti ile Doktor Miranda’nın kişisel durumları ışığında inceleniyor. Oyunda Paulina Salas, dikta döneminde kaçırılmış ve işkence görmüş bir kadın. Serbest bırakıldıktan sonra sevgilisini bir başka kadının kollarında bulur. Buna rağmen ikili evlenir. Aradan birkaç yıl geçtikten sonra, Paulina tutuklu olduğu dönem yaşadıklarının halen etkisi altındadır ve bu yüzden tıp eğitimini tamamlayamamış, ancak eşi Gerardo saygın bir hukukçu olmuştur. Bir görüşmesinin ardından patlayan lastiği nedeniyle Gerardo yolda kalır. Yabancı bir adamın ona yardımını teklif eder ve iki erkek konuşmaya başlarlar; sonunda Gerardo yabancıyı evine davet eder. Eve gelmeleriyle beraber radyoda, Gerardo’nun, geçmişle yüzleşmek ve işkence atında ölümleri araştırmak üzere kurulan bir araştırma komisyonuna seçildiği haberi açıklanır.

Diktatörlük ve suç

Yabancı adam Gerardo'yu tebrik eder. Paulina, Gerardo ve yabancı (Dr. Miranda) kadeh kaldırır, o sırada Paulina Dr. Miranda’nın yüzünü hiç görmediği işkencecisi olduğunu anlar. Gece konaklamak üzere yapılan bir davet, göz açıp kapayana kadar bir rehine vakasına dönüşür. Paulina, Doktor Miranda’yı tutsak alır ve yargıçlığa soyunur. İşkence görüp tecavüze uğramanın ne demek olduğunu anlamasını ister. Gerardo dehşete kapılmıştır. Üstelik Doktor Miranda olaya katılmadığını söyler. Karakterlerin gerilim yüklü üçlü örgüsü, suç ve intikam konusunda sorularını oldukça sert biçimde sorar. Fail ve mağdur diktatörlük sonrası bir dönemde nasıl karşılaşmalıdır? Hangi yola girerler: İntikam ve kendi kendine adalet mi yoksa hukuk devleti ilkeleri doğrultusunda adil bir yargılama mı? Dikta rejiminin yaşandığı bir ülkede suçsuz insan var mıdır? Özellikle Iraklı insanlar için bu sorular son derece güncel anlama sahiptir. Kentlerde göç havası Oyunumuzu Kuzey Irak’ta sahnelemek üzere aldığımız davet bizi çok sevindirdi. Üstelik aklımızın bir köşesinde tasalarımız olmasına rağmen ne de olsa Irak’tan gelen haberler pek güven telkin edici değildi. Gün geçmiyor ki, adam kaçırma, intihar saldırıları, iç savaş ve başka felaketlerden bahsedilmesin. Ailelerimiz, akraba ve dostlarımız da endişeliydi. Bizi sakinleştiren yegâne kişi, tiyatro grubumuzun Iraklı rejisörü İhsan Othmann oldu. Bu bilgilere ilave olarak yaptığımız araştırmalar da ümit vaat ediyordu: Kuzey Irak Bölgesel Yönetimi’nin denetimindeki bölgenin güvenlik durumu, ülkenin diğer kesimlerine oranla çok daha istikrarlıydı. Ancak bu bilgilere gerçekten de inanmamız için Dohuk’a vardıktan sonra burada birkaç gün geçirmemiz gerekti.

Sınırı geçmemizle beraber son derece samimi şekilde karşılandık. Tüm seyahatimiz boyunca karşılaştığımız insanların içtenliği, açık yüreklilikleri ve merakları bizi çok etkiledi. Keza ziyaret ettiğimiz kentlerdeki göç havası da öyle. Kültürel sınırlar ötesinde alışveriş Seyahatimizin asıl sebebi olan festival 29 Haziranda bir sergi açılışıyla başladı. Yüz farklı Kürt sanatçının resimlerinin yanı sıra oyun, dört farklı yorumla ve üç dilde oynandı: Avusturyalı sanatçı Ulrike Düregger tarafından performans şeklinde, Shorashvan-Ensemble Dohuk tarafından Kürtçe, Bağdat Ulusal Tiyatrosu tarafından Arapça ve I.-O.-Theater Berlin tarafından Almanca sahnelenen bir oyun olarak. Tiyatro grubu oyunlarını art arda üç gece sahneledi ve oyun geniş bir izleyici kitlesine ulaştı. Her oyunun ardından, giderek daha çok insanın katıldığı bir tartışma bölümü yapıldı. Özellikle Paulina Salas’ın rolü ve her oyunda onu canlandıran oyuncuların yorumu geniş biçimde ve karşıt görüşlerle tartışıldı. Oyunun yarattığı yankı o denli büyük oldu ki, festivalin ardından Süleymaniye valisi, kentindeki güzel sanatlar enstitüsünde oyunu bir kez daha sahnelemek üzere bizi davet etti. Bölgeye ve insanlarına aşık olduk. Kültürel sınırların ötesine geçen insanlar arası bu alışveriş Doğu ile Batı arasında ivedilikle ihtiyaç duyulan köprüleri kurabilir ve böylelikle katılan her tarafın hayatını daha da zenginleştirebilir. Bu nedenle bu sene sonbaharda Berlin ve Erbil kentlerinde yapılacak başka festivaller bizi sevindiriyor.

Antje C. Hobucher, Eduardo Fernández-Tenllado © Antje C. Hobucher, Eduardo Fernández-Tenllado / Qantara.de 2008
Almancadan çeviren Ogün Duman I.-O.-Theater Berlin Haziran 2005 yılında, Iraklı rejisör İhsan Othmann ve oyuncu Antje C. Hobucher tarafından kuruldu. Tiyatro grubu farklı ülke ve kültürlerden gelen sanatçılardan meydana geliyor grubun tam adı “Internationales Offenes Theater” (Uluslararası Açık Tiyatro). Irak’taki oyunlar, bu mart ayında Theaterhaus Mitte, “Förderband” derneği ve I.-O.-Theater Berlin tarafından ikinci kez gerçekleştirilmiş bir Berlin festivali olan “Iraqi Theatre at Home and Away” sayesinde hayata geçirildi.
Yayınlanma tarihi: 29.08.2008 - Son güncelleme: 01.09.2008

 

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